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Nicht nur zum Valentinstag: Stärken Geschenke die Liebe?

„Blöde Frage!“, denken Sie jetzt vielleicht. „Jede(r) freut sich doch über einen hübschen Blumenstrauß, das Lieblingsparfum oder ein mühevoll gebasteltes Fotoalbum. Es zeigt doch, dass ich meinem Partner wichtig bin.“ Klar, meistens schon. Doch Schenken und Beschenktwerden kann auch heikel werden. Darüber wird aber selten gesprochen. - Ein kleiner Versuch über die Psychologie des Schenkens in der Partnerschaft.

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Geschenke zu machen - das ist für viele Menschen offensichtlich eine Art Grundbedürfnis. Die neue Kollegin mit einer Tafel Schokolade begrüßen und der Tochter das heiß ersehnte neue Comic-Heft mitbringen: Den meisten Menschen macht es Freude, anderen durch Geschenke Freude zu bereiten. 

 

Natürlich: Geschenke unter Partner*innen können ein tiefer und ehrlicher Ausdruck von Wertschätzung und Zuneigung sein. Dann stärken sie die Beziehung und vertiefen die Liebe. Und das ganz unabhängig vom Valentinstag oder anderen Anlässen.

 

Geschenke können aber auch ganz andere Funktionen erfüllen: Ein „Wochenende im Wellnesshotel mit Meerblick für zwei“ soll vielleicht dafür entschädigen, dass ein Partner oft abwesend ist, untreu war oder sich zu wenig für die Partnerschaft engagiert. Dann ist das Geschenk ein Beschwichtigungsversuch oder ein Ausdruck des schlechten Gewissens. Kommt das gut an? Vielleicht. Immerhin ist es ein Zeichen des guten Willens. Es könnte aber auch Ärger hervorrufen. Aber hey, sich über ein geschenktes Luxuswochenende beschweren? Gehört sich das denn? Wäre das nicht mega-undankbar? 

 

Und dann sind wir schon bei einem weiteren brisanten Punkt: Muss man/frau Geschenke annehmen? Was, wenn ich gerade so sauer auf meine Frau/meinen Mann bin, dass ich gerade nichts, aber auch gar nichts von ihm haben möchte? Darf ich dann dankend ablehnen? Oder ist das unpassend?

 

Und, ähnlich heikel: Was, wenn mir das Geschenk überhaupt nicht gefällt? Wenn ich damit nichts anfangen kann, es mich überfordert (Sachbücher, die ich nicht verstehe!) oder gar verletzt (eine Schönheits-OP!)? Wenn ich das Geschenk als einfallslos oder unpersönlich empfinde (Gutschein eines riesigen Internethändlers, einfarbige Socken, halb verwelkter Blumenstrauß aus einem Discounter!)? Reicht es mir, wenn er/sie es gut gemeint hat? Kann ich die Bemühung würdigen oder bin ich wütend und traurig? 

 

Tatsächlich können Geschenke glücklich machen. Aber sie können auch irritieren oder gar beschämen. Etwa, wenn das Geschenkte so kostspielig ist, dass wir meinen, es gar nicht zu verdienen. Oder weil wir uns niemals revanchieren können, da unser Budget das nicht zulässt. Dann könnten wir das Gefühl entwickeln, unserem Partner/unserer Partnerin etwas schuldig zu sein: Das bringt die Partnerschaft in Schieflage. 

 

Und was, wenn der Partner grundsätzlich ein „Schenkmuffel“ ist? Wenn ihm gar nichts einfällt, oder wenn er Geburts- und Jahrestage regelmäßig vergisst? Darf ich darüber ärgerlich sein oder erwarte ich einfach zu viel? Wie will ich damit weiterhin umgehen? Liebt mich mein Partner nicht, bin ich es ihm einfach nicht wert? 

 

Für all diese Fragen gibt es keine allgemeingültigen Antworten. Jede(r) muss einen eigenen passenden Weg finden, um mit diesen Schwierigkeiten umzugehen.

Prinzipiell kann es aber hilfreich sein, die Absicht zu kennen, die mich dazu bringt, dem/der Liebsten etwas zu schenken:

  • Will ich ihm/ihr einfach eine Freude bereiten? Habe ich selber Spaß daran?
  • Will ich ihn/sie trösten?
  • Will ich ihm/ihr etwas beweisen (zum Beispiel, dass ich es gut meine/etwas besser machen will)?
  • Will ich etwas wieder gut machen?
  • Will ich ihn/sie wieder wohlgesonnen stimmen? 
  • Will ich mithilfe eines Geschenkes um Entschuldigung bitten?
  • Will ich auf mich aufmerksam machen?
  • Schenke ich, weil es von mir erwartet wird und ich mich dazu verpflichtet fühle?

Wenn ich die Quelle meines Tuns kenne, kann ich das auch authentisch und ehrlich rüberbringen. Ansonsten bleibt die Botschaft, die das Geschenk senden soll, unklar. Das kann zu Missverständnissen und schlimmstenfalls Ärger führen. Es geht beim Schenken also nie nur darum, was ich schenke. Und schon gar nicht darum, wie teuer dieses Geschenk ist.

Es kommt vielmehr darauf an, 

  • aus welcher Laune und mit welcher Absicht ich schenke (spontane Idee, Schuldgefühle, zum Trost, Erwartungsdruck), 
  • ob und wie ich meine Absicht (zusätzlich) kommuniziere, („eine kleine Aufmerksamkeit“, „als Wiedergutmachung“ etc.)
  • mit welcher Erwartungshaltung ich schenke (Muss sich meine Partnerin dankbar zeigen? – Bin ich bereit, das Geschenk umzutauschen, wenn es ihm/ihr nicht gefällt?),
  • ob das Geschenk feinfühlig und sorgsam ausgewählt wurde und zu der Person und ihren Wünschen passt,
  • ob der/die Beschenkte das Geschenk mit Freude annehmen will.

Letztlich sollte es am besten auch möglich sein, offen über das Thema „Geschenke“ zu reden. Denn schließlich geht es dabei immer auch um Erwartungen, Wünsche und mögliche Enttäuschungen. Und das sind bekanntermaßen wichtige Themen in jeder Beziehung.

 

 

 

Text: Felicitas Römer (c) 2021

Foto: iStock

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Nils (Donnerstag, 11 Februar 2021 21:16)

    Recht vielen Dank für diese Gedanken-Anstöße. Sie helfen mir sehr Anlass, Absicht und Erwartung in Einklang zu bringen. Bewusst schenken ist besseres Schenken.�