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Was der Liebe gut tut (Teil 2): Wünsche formulieren

In unserem hektischen Alltag vergessen wir manchmal, unserer Partnerschaft die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Eine stabile Beziehung kann diese Entbehrungen eine Weile lang tragen, auf die Dauer wird sie jedoch zur Belastung. Aus meiner praktischen Erfahrung als Paartherapeutin werde ich daher in einer lockeren Reihe ein paar Verhaltensweisen vorstellen, die eine Beziehung stärken und Konflikten vorbeugen können. Heute: Wünsche formulieren statt Vorwürfe machen. 

Praxis für Psychotherapie und Paartherapie Felicitas Römer Hamburg Bergedorf

Bei vielen Paaren schleicht sich mit der Zeit die Angewohnheit ein, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. „Du hast schon wieder vergessen, den Mülleimer rauszubringen!“ oder „Du hättest ja auch mal den Einkauf erledigen können!“ sind da noch harmlose Varianten. Aber auch sie können auf Dauer nerven und zu lästigen Reibereien führen. Besonders belastend sind Vorwürfe, die sich auf die Partnerschaft selbst beziehen: „Du hast mich heute total ignoriert“ oder „Nie zeigst du mir, dass du mich liebst“, schneiden da schon tiefer ins Herz. 

 

Vorwürfe werden in der Regel als Angriff erlebt. Typische Reaktionen auf Vorwürfe sind daher:

- Gegenvorwürfe („Ach, und was hast du für mich getan?“);

- Herunterspielen („Naja, so schlimm war das jetzt auch nicht.“);

- Hilflosigkeit, Scham, Rückzug (betretenes Schweigen, Selbstvorwürfe);

- Empörung und Wut („Was fällt dir ein, mir so etwas vorzuwerfen?“).

 

Die eigentliche Botschaft versandet also meistens. Denn in jedem Vorwurf versteckt sich ein unbefriedigtes Bedürfnis oder ein unerfüllter Wunsch. Zum Beispiel der Wunsch, entlastet zu werden, oder das Bedürfnis, Aufmerksamkeit zu bekommen. Warum also nicht einfach sagen: „Ich fände es gut, wenn du morgen mal die Windeln besorgst.“, „Ich wünsche mir, dass du heute Abend mit mir essen gehst und wir dabei über unsere Rollenverteilung sprechen!“ oder „Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir mal Blumen mitbringst.“? Das macht das Ganze weitaus unkomplizierter, der/die Andere weiß Bescheid und kann direkt darauf reagieren.

 

Die Idee, der Partner/die Partnerin könne uns die "Wünsche von den Augen ablesen", ist Ausdruck einer verklärten Vorstellung von Liebe oder eines kindlichen Wunsches, emotional versorgt zu werden. Die Praxis hat gezeigt, dass die meisten Menschen mit offen ausgesprochenen Wünschen weit besser umgehen können als mit indirekten oder direkten Vorwürfen. Ob der Partner einen zum Ausdruck gebrachten Wunsch erfüllt oder nicht, ist allerdings ganz allein seine Entscheidung. 

  

Text: Felicitas Römer

Foto: Pixabay


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