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„Das bringt doch eh‘ nix!“ - Wenn der Partner eine Paartherapie ablehnt

Sie wollen eine Paarberatung in Anspruch nehmen, Ihr Partner/Ihre Partnerin aber nicht? Dann sind Sie in bester Gesellschaft. Das kommt nämlich relativ häufig vor. Dabei kann Therapie wirklich hilfreich sein. Vor allem, wenn das Paar rechtzeitig kommt, also wenn die Beziehung noch lebendig und tragfähig ist. Lesen Sie hier, warum viele Menschen Paartherapie scheuen. Und was Sie tun können, wenn Ihr Partner sich einer Paartherapie gegenüber verschließt.

Paartherapie Felicitas Römer Hamburg Bergedorf

Streit, Kummer, Tränen: Bis ein Paar bereit ist, Hilfe in Anspruch zu nehmen, hat es meistens schon einige heftige Krisen durchlitten und sich gegenseitig schwere psychische Verletzungen zugefügt. Oft sind sie kurz vor der Trennung oder schon mittendrin. Kurzum: Viele Paare kommen erst dann, wenn es schon (fast) zu spät ist, wenn einer bereits innerlich aus der Beziehung ausgestiegen ist und/oder den Anderen verlassen will und einfach gar nichts mehr geht.

 

Klar, dass diese Ausgangssituation für eine gemeinsame Arbeit schwierig ist. Dass man dann mehr Sitzungen braucht. Und dass manchmal nur noch eine Trennungsbegleitung möglich ist.

 

Das müsste nicht sein, wenn Paare sich frühzeitig ein oder zwei Sitzungen Paarberatung gönnen würden. Und zwar dann, wenn die Basis noch stimmt. Je umschriebener ein Problem ist, desto leichter lässt sich das lösen. Oft reicht sogar ein einziger gemeinsamer Termin. Oder ein paar vereinzelte Sitzungen quer über das ganze Jahr verteilt.  

 

Leider kommt es sehr oft vor, dass ein Partner Interesse an einer Paarberatung äußert, der andere aber nicht. „Das bringt doch eh nichts!“, „Ich will doch mit einer Fremden nicht über mein Sexualleben sprechen!“ oder „Das kriegen wir auch alleine hin!“ – so oder so ähnlich klingen dann die entsprechenden Erklärungen.

 

Es ist verständlich, dass für viele „Therapie“ erstmal abschreckend klingt. Denn natürlich möchten wir unsere Probleme selbstständig lösen. Wer gibt schon gerne zu, dass er gerade alleine nicht weiterkommt? Wir sind so erzogen worden, unsere Gesellschaft tickt so. Wer es nicht alleine auf die Reihe bekommt, hat es irgendwie nicht geschafft. Diese Haltung ist weit verbreitet. Aber leider nicht hilfreich. Jeder Mensch kommt im Verlauf seines Lebens an Grenzen. Jeder steht hin und wieder vor großen Herausforderungen und braucht die mentale und/oder praktische Hilfe anderer Menschen. Und manchmal stehen wir uns einfach mal wieder selbst im Weg oder stecken in tiefen Beziehungskrisen. Es ist also ganz normal, mal Hilfe zu benötigen.

 

Es gibt aber noch andere Gründe, aus denen ein Partner möglicherweise eine Paartherapie ablehnt, zum Beispiel:

 

Ø  Scham. Er/sie hat Sorge, dass unangenehme Fakten ans Licht kommen könnten, dass er/sie in der Therapie beschämt werden könnte. Sich zu öffnen und mit seinen Gefühlen zu zeigen, ist bei vielen Menschen mit Scham behaftet. Die Aufgabe eines Therapeuten ist es aber, dem Klienten eine schamfreie Zone zu bieten, Beschämungen zu vermeiden und ihm diesbezüglich Sicherheit zu vermitteln! Gibt es Beschämungen innerhalb der Beziehung muss der Therapeut diese erkennen, benennen und zum Thema machen. Denn sie sind extrem schädlich!

 

Ø  Angst vor Beschuldigung: Häufig fürchten Menschen, in einer Paartherapie die Schuld für etwas zu bekommen, als „Loser“ dazustehen oder bewertet bzw. abgewertet zu werden. Das Gebot der Allparteilichkeit lässt eine einseitige Schuldzuweisung durch den Therapeuten jedoch nicht zu. Und überhaupt: Es geht niemals darum, einen Schuldigen zu finden. Sondern vielmehr darum, die Beziehungsdynamik zu verstehen und positiv zu verändern.

 

Ø  Die Sorge, schlecht wegzukommen, vom Therapeuten nicht gesehen zu werden: Manche Menschen fürchten, dass der Partner/die Partnerin sich in der Therapie besser „verkaufen“ kann als er/sie, und dass der Therapeut sich mit dem anderen gegen ihn verbündet. Oft beruhen solche Befürchtungen auf Erlebnissen aus der Kindheit.

 

Ø  Verweigerung: Wenn jemand ausdrücklich nicht mit zu einer Paartherapie kommen möchte, obwohl der andere Partner sich das wünscht, kann das auch Teil der Beziehungsdynamik sein: Einer will mehr, drängt womöglich, ist wütend, und der andere zieht sich zurück und verweigert sich: „Ich mache nicht das, was du von mir erwartest.“ Beide Verhaltensweisen – forderndes, aggressives sowie passiv-aggressive Verhalten - haben ihre Ursachen und können in der Therapie bearbeitet werden.

 

Ø  Abwehr: Der Partner identifiziert sich nicht mit dem gemeinsamen Problem: „Dir geht es doch schlecht! Ich komme ja klar.“ Er erkennt dann nicht an, dass es ein Beziehungsthema gibt, und schiebt die Verantwortung von sich weg. Dieses Verhalten ist Teil der Beziehungsproblematik!

 

Ø  Furcht, sich mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen. Zu einer Therapie gehört es zwangsläufig dazu, sich mit seinen Gefühlen, Ängsten, Nöten und seinen “Schattenseiten“ auseinanderzusetzen. Das ist nicht immer spaßig. Kein Wunder, dass man davor zunächst einmal zurückschreckt. Viele Klienten merken aber, dass es erleichternd und bereichernd sein kann, mal einen genaueren Blick auf die eigenen Emotionen und Verhaltensweisen zu werfen. Dieser Prozess muss natürlich wertschätzend und in gewisser Weise auch „liebevoll“ therapeutisch begleitet werden.

 

Oft verstecken sich diese tieferen Sorgen und Ängste hinter den vorgegebenen Argumenten „Das bringt doch eh‘ nix!“ etc. Wenn Ihr Partner eine Paartherapie für ein „No Go“ hält, dann sprechen Sie ihn auf seine Sorgen an. „Was befürchtest du denn, was schlimmstenfalls passieren könnte?“ Hilfreich wäre es auch, diese Bedenken gleich in der Therapie anzusprechen. Oder schon vorher per Mail oder in einem telefonischen Vorgespräch.

 

 

Nutzt das alles nichts, dann kommen Sie alleine in Beratung. Auch mit Einzelklienten kann ich beziehungsorientiert arbeiten. Im System „Paar“ verändert sich meistens auch dann etwas, wenn sich nur einer bewegt.

 

Foto: Pixabay.de

Text: Felicitas Römer

 

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