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Corona – Wie wir mit unserer Angst umgehen können, Teil I

Sich erden und gut für sich sorgen

 

Es sind beunruhigende Zeiten. Das öffentliche Leben wird massiv eingeschränkt, Sozialkontakte sollen vermieden werden. Aus gutem Grund: Diese drastischen Maßnahmen sollen uns und unsere Gesellschaft vor größeren Schäden und Problemen schützen.

Sich angesichts dieser unübersichtlichen Gemengelage und der fast surreal wirkenden Szenarien in unseren Städten unsicher oder ängstlich zu fühlen, ist durchaus eine angemessene Reaktion. Dazu kommt noch die Sorge, an COVID-19 zu erkranken, die rein statistisch gesehen keinesfalls unrealistisch ist. 

 

Die Frage ist nur, wie wir mit dieser Angst umgehen. Sehen wir sie als Antrieb, um massenweise Toilettenpapier und Mehl zu horten? Verdrängen wir sie einfach und feiern nahezu provokativ apokalyptische Coronapartys? Oder gehen wir lieber doch achtsam mit uns und unseren Ängsten um, so dass wir besonnen und mit klarem Kopf gemeinsam durch diese Krise kommen?

 

Manche Menschen haben mehr, manche etwas weniger Angst. Das hat mit unserem Charakter und unseren Vorerfahrungen zu tun. Und jede*r muss für sich selbst herausfinden, was ihm/ihr dabei hilft, mit der eigenen Angst umzugehen. 

Fakt ist: Wer ängstlich ist, hat ein aktuelles Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit. Da uns die Gewohnheiten des alltäglichen Lebens gerade abhanden gekommen zu sein scheinen, müssen wir uns wohl auf andere Weise emotionale Sicherheit verschaffen. Die gute Nachricht: Wir können tatsächlich vieles tun, um uns selbst zu beruhigen und wieder zu einem inneren Gleichgewicht zurück zu finden. 

 

Folgendes kann bei der Selbstregulation hilfreich sein: 

 

1. Spüren Sie Ihre Füße und den Kontakt zum Boden. 

Das mag banal klingen. Ist es aber nicht. Denn wenn wir aufgeregt oder ängstlich sind, zieht es uns sprichwörtlich „den Boden unter den Füßen weg“. Wir haben keinen festen Halt mehr, eiern irgendwie herum, verlieren die Erdung. Dadurch fühlen wir uns unsicher. Und uns gehen Energien verloren, die wir zur Bewältigung der anstehenden Aufgaben brauchen. 

Also immer mal wieder hüftbreit hinstellen und bewusst die Füße auf dem Boden spüren. Gehen Sie dabei etwas in die Knie. Sie können auch die Augen schließen und sich vorstellen, wie Ihre Füße Wurzeln in den Boden sprießen lassen. So erden Sie sich und bringen Ihren Körper innerlich zur Ruhe. Atmen kann natürlich auch nicht schaden. :-)

 

2. Halten Sie bewusst Kontakt zu Personen, die Ihnen gut tun.

Isolation tut uns Menschen nicht gut. Auch wenn wir rational nachvollziehen können, warum das jetzt nötig ist, tut sie uns weh. Wir sind soziale Wesen, wir brauchen Gespräche und Berührungen. Es ist also wichtig, weiterhin miteinander in Verbindung zu bleiben. Dabei helfen uns unsere Smartphones und das Internet ganz wunderbar. 

Doch nicht jeder Kontakt ist in solchen Ausnahmesituationen hilfreich. Wer bzw. was also tut mir gerade gut? 

  • Mit wem kann über meine Gefühle sprechen, ohne dass ich gleich beraten, korrigiert oder belehrt werde?
  • Wer macht mir Mut?
  • Welche Freundin wirkt stärkend und belebend auf mich? 
  • Wer hat eine beruhigende Wirkung auf mich?

Filtern Sie jetzt Ihre Kontakte, sortieren Sie gnadenlos aus. Das ist nicht egoistisch, sondern wichtig für Ihre Psychohygiene. 

 

Auch Facebook, Instagram & Co. können einen jetzt ganz schön kirre machen: Jede*r hat etwas heraus zu posaunen, jede*r hat jetzt eine Meinung oder eine wichtige Botschaft zu überbringen. Dazu kommen Fake-News, Moralpredigten und Panikmache. Das alles kann uns schnell überfordern, ärgern oder irritieren. Legen Sie also bewusst Social-Media-Pausen ein. Das schont unser ohnehin gerade informationsüberflutetes Gehirn. Und den Blutdruck. ;-)

 

3. Sorgen Sie gut für sich. 

Selbstfürsorge ist jetzt angesagt. Auch das hört sich so banal an. Tatsächlich vernachlässigen sich aber sehr viele Menschen, vor allem in Stressphasen. Sie erwarten von sich, weiter zu funktionieren, weiterhin Leistung zu erbringen und ihre Angst irgendwie unter Kontrolle zu halten. Das bringt das gesamte innere System aber nur weiter unter Druck. 

Hilfreicher wäre es, feinfühlig mit sich selbst umzugehen. Zu spüren, was jetzt gerade los ist, was nötig und angesagt ist. 

  • Ein inneres Kind will zur Abwechslung spielen und mit dem ganzen blöden Realitätskram gerade nichts zu tun haben? Bitte ein Puzzle rausholen oder eine Runde Playstation zocken.
  • Ein trauriger Anteil braucht Trost? Ab in die Badewanne voller Schaum und/oder sich vom dem/der Liebsten in den Arm nehmen lassen.
  • Ein aufgewühlter innerer Mitbewohner braucht Ruhe? Rasch ein Nickerchen halten, Pause machen oder ein schönes Buch lesen. 

Vermeiden Sie möglichst auch unnötigen Stress. Wir tun uns nicht gut, wenn wir uns nun noch übereifrig große Aufgaben aufladen, die wir vielleicht gerade gar nicht stemmen können. Oft tun wir das, um aus einem nahezu unerträglichen Ohnmachtsgefühl herauszukommen. Kann hilfreich sein, aber auch zu Überforderung führen. Seien Sie auch diesbezüglich besonders aufmerksam sich selbst gegenüber und achten Sie auf Ihre Belastbarkeitsgrenze.

 

Ein liebevoller und fürsorglicher Umgang mit uns selbst hilft uns dabei, diese wirre Zeit zumindest psychisch einigermaßen unbeschadet zu überstehen. 

 

©Felicitas Römer 2020 

 

Es folgen in den nächsten Tagen:

Teil II: Mit der Angst in einen freundlichen Dialog treten

Teil III: Einen sicheren inneren Schutzort finden

Teil IV: Wie Achtsamkeit jetzt hilfreich sein kann

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Azadeh Vafaisefat (Mittwoch, 18 März 2020 13:59)

    Genau was ich momentan brauche. Nur mit Hände waschen ist nicht getan. Ich finde dieser Artikel ist sehr Hilfreich in jetzigen Zeit.
    Dankeschön